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Cloud Pentesting: Methodik für IAM, Workloads und Cross-Service-Angriffspfade

Aktualisiert: 09.10.2026
// Kurzfassung

Cloud Pentesting prüft nicht "Server, die bei einem Provider stehen", sondern die Control Plane: Wer darf über die Cloud-API welche Ressource lesen, verändern oder als Identität nutzen? Die Zielklasse besteht aus Identitäten, Rollen, Policies, Trust-Beziehungen, Ressourcen, Workload-Identitäten, Credentials und Netzwerkgrenzen - und aus den Beziehungen zwischen ihnen. Genau aus diesen Beziehungen entstehen Cloud-Angriffspfade: eine überbreite Rolle, ein lesbarer Bucket, ein Metadata-Endpunkt und ein zu großzügiger Trust sind für sich genommen oft nur Fehlkonfigurationen; verkettet führen sie von einer öffentlichen Anwendung bis zur Managed Database. Dieser Artikel beschreibt die Methodik aus Operator-Sicht und providerneutral: Scope und Ausgangslagen, IAM als Berechtigungsgraph, effektive Berechtigungen, Storage, Workloads, Metadata Services, Secrets, Cloud Network Controls, Managed Services und Serverless, die Unterscheidung zwischen Misconfiguration und exploitable path, Cross-Service-Angriffspfade, Cross-Account-Trust, minimaler Nachweis und Reporting. Er ist kein Cloud-Security-, Hardening- oder Compliance-Ratgeber und keine Provider-Befehlssammlung.

Was Cloud Pentesting unterscheidet

Ein Netzwerk-Pentest fragt, welche Hosts und Dienste erreichbar sind und wo die Segmentierung nicht hält. Ein Web- oder API-Pentest fragt, was eine Anwendung mit Eingaben, Sessions und Objektzugriffen tut. Ein Active-Directory-Pentest liest die Domäne als Berechtigungsgraph. Cloud Pentesting verschiebt den Schwerpunkt auf die Control Plane und die cloud-nativen Vertrauensbeziehungen - auf die Ebene, über die Identitäten, Ressourcen und Dienste erzeugt, verbunden und gesteuert werden. Control Plane, Data Plane, Workloads, Netzwerk und Anwendung sind dabei keine starre Hierarchie, sondern miteinander verbundene Ebenen. Breite Kontrolle über die Control Plane kann aber weitreichende Kontrolle über darunterliegende Ressourcen und Dienste ermöglichen - unabhängig davon, wie gut ein einzelner Host gehärtet ist.

Prüfgegenstand sind deshalb nicht in erster Linie Betriebssysteme, sondern: das Identity- und Access-Management mit seinen cloud-nativen Berechtigungsmodellen, Managed Services ohne eigenes Betriebssystem, Ressourcenbeziehungen, Workload-Identitäten, Cross-Service- und Cross-Account-Trust, Cloud-Netzwerkkontrollen und die vom Provider gezogenen Grenzen. Eine VM in der Cloud wird selbstverständlich auch als Host geprüft - aber das ist der Netzwerk-Teil, nicht der Cloud-Teil. Der Cloud-Teil beginnt dort, wo diese VM eine Identität trägt, mit der sie Cloud-Ressourcen aufrufen kann.

Die allgemeine Methodik - Scope, Phasen, Risikobewertung, Reporting - steht im Grundlagenartikel. Hier geht es um das cloud-spezifische Vorgehen. Der rote Faden:

// Ablauf einer Cloud-Prüfung
01
Scope & Ausgangslage
Was gehört dem Kunden, was darf getestet werden, von welcher Position aus.
02
Enumeration
Eigene Identität, Accounts, Rollen, Ressourcen, Trusts, Netze rekonstruieren.
03
IAM-Graph & effektive Rechte
Beziehungen statt Policy-Statements: wer darf was wirklich.
04
Angriffsflächen je Ressourcenklasse
Storage, Workloads, Metadata, Secrets, Netzgrenzen, Managed Services, Serverless.
05
Capability Chains & Cross-Service-Pfad
Einzelbeobachtungen zu einem belegten Pfad verketten.
06
Misconfiguration vs. exploitable path
Erreichbarkeit, Position, effektives Recht, Impact - erst dann bewerten.
✓
Minimaler Nachweis & Reporting
Belegen ohne Daten abzuziehen, Ressourcen zu verändern oder Kosten zu erzeugen.
⚠ Nur im freigegebenen Scope

Cloud-Tests berühren schnell Ressourcen, die dem Provider, anderen Mandanten oder Drittanbietern gehören, und können produktive Dienste stören oder Kosten verursachen. Was in Scope liegt, welche Provider-Policies gelten und ab wann eskaliert wird, regeln Scope und Rules of Engagement - gerade bei Metadata-, Trust- und Managed-Service-Tests. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.

Shared Responsibility als Scope-Frage

Shared Responsibility ist im Pentest kein Lehrbuchkapitel, sondern eine Scope-Entscheidung: Es trennt, was der Auftraggeber freigeben kann, von dem, was er gar nicht freigeben darf, weil es ihm nicht gehört. Die Linie verläuft nicht zwischen "Cloud" und "nicht Cloud", sondern durch jeden einzelnen Dienst - je weiter ein Dienst "managed" ist, desto mehr davon liegt beim Provider.

EbeneVerantwortungIm PentestHinweis für den Operator
Physik, Hypervisor, Provider-PlattformProvideraußerhalb des Kunden-Pentest-ScopesNicht durch die Autorisierung des Kunden gedeckt; Tests gegen die Plattform oder andere Mandanten nur, wenn Provider-Policy oder ein gesondertes Programm es ausdrücklich erlauben - eine andere Autorisierungsgrundlage als der Kunden-Pentest
Innenleben von Managed ServicesProvideraußerhalb des Kunden-Pentest-ScopesGeprüft werden Konfiguration, Zugriff, IAM und Netzanbindung des Dienstes, nicht sein Innenleben
Kundenkonfiguration (IAM, Policies, Trusts, Netzregeln, Storage-Rechte)KundetestbarDer Kern des Cloud-Pentests
Workloads und Gastsysteme (VMs, Container, Functions, Code)KundetestbarHost-Ebene nach Netzwerk-/Web-Methodik, Identitätsebene nach diesem Artikel
DatenKundetestbar, aber nur als NachweisZugriff belegen, nicht abziehen
Drittanbieter-SaaS im Tenant (Monitoring, Backup, Security-Tools)Drittanbieternur ihre Berechtigungen im AccountWas der Dienst im Account darf, ist prüfbar; der Dienst selbst nicht
Besondere Aktionen (Last, Ressourcen anlegen, Rollen verändern)Kunde, Provider-Policynur mit ausdrücklicher FreigabeKosten- und Betriebsrisiko vorab regeln

Große Provider veröffentlichen eigene Regeln für Sicherheitstests. Je nach Provider, Dienst und Testart können Tests ohne Vorabgenehmigung zulässig, auf bestimmte Services beschränkt oder genehmigungspflichtig sein; diese Regeln ändern sich, deshalb wird die jeweils aktuelle Provider-Policy vor jedem Engagement geprüft. Der Umgang mit Provider-Freigaben, geteilter Infrastruktur und Drittanbietern ist im Scope-Artikel ausführlich beschrieben, inklusive der Tabelle zu Cloud, SaaS und Managed Hosting. Hier gilt nur die praktische Konsequenz: Ein Cloud-Scope wird über Accounts, Subscriptions, Projekte und Tags definiert, nicht über IP-Adressen, die sich morgen ändern.

Ausgangslagen

Keine andere Zielklasse hängt so stark von der Startposition ab wie die Cloud. Von außen ist ein gut konfigurierter Account fast unsichtbar; mit einer einzigen niedrigen Identität ist ein großer Teil des Berechtigungsmodells lesbar. Die Ausgangslage bestimmt deshalb nicht nur, wie tief der Test geht, sondern welche Angriffsfläche überhaupt relevant wird. Sie gehört vor dem ersten API-Aufruf festgelegt und in den Rules of Engagement dokumentiert.

AusgangslageWas sichtbar wirdWas realistisch geprüft wirdAussage danachGrenze
Externe Sicht (keine Credentials)Öffentliche Endpunkte, offene Storage-Ressourcen, exponierte Management-Oberflächen, DNS und ZertifikateExposure der Control-Plane-Ränder, öffentliche Anwendungen als Übergang nach innenWas ein beliebiger Angreifer ohne Vorwissen erreichtIAM-Graph bleibt unsichtbar; Tiefe entsteht erst nach einem Übergang
Standard-Cloud-Identity (legitimer Nutzer, niedrige Rolle)Alles, was die Rolle lesen darf - oft mehr als gedachtEnumeration, effektive Rechte, Privilege Paths ab einer gewöhnlichen IdentitätWas ein Mitarbeiter oder Dienstleister mit Standardzugang erreichtBildet nur diese Rolle ab; andere Rollen nur über belegte Pfade
Assumed Breach (kompromittierte Cloud-Credentials)Sicht der konkreten Identität inklusive ihrer Rollen und TrustsSchadenstiefe nach einem erfolgreichen Credential-DiebstahlWie weit eine einzige geleakte Identität trägtSetzt den Erstzugang voraus, statt ihn zu beweisen
Kompromittierte Workload (VM, Container, Function, App Service)Workload-Identität, Metadata-Endpunkt, Umgebungsvariablen, erreichbare DiensteÜbergang Workload → Control Plane, Reichweite der Workload-RolleWas nach einer Anwendungs- oder Host-Kompromittierung in der Cloud passiertHängt an genau dieser Workload und ihrer Rolle
Leak / Secret (API-Key, Access Token, Service-Principal-Credential)Rechte des Credentials, nicht der Person dahinterGültigkeit, Scope, Reichweite, Folgepfade des SecretsRealer Wert eines gefundenen CredentialsNur so weit, wie das Secret trägt; kein Rückschluss auf den Account insgesamt

In der Praxis ist Assumed Breach oder eine Standard-Identität meist der ehrlichere Startpunkt als die reine Außensicht: Die interessanten Cloud-Schwächen liegen fast immer im Berechtigungsmodell, und das ist von außen nicht sichtbar. Ein externer Test bleibt sinnvoll, um exponierte Ränder und die Übergänge aus Web und API zu prüfen - aber er beantwortet eine andere Frage.

Cloud IAM als Berechtigungsgraph

Der methodische Kern ist derselbe Perspektivwechsel wie im Active-Directory-Pentest: weg von einzelnen Berechtigungszuweisungen, hin zu einem Graphen aus Knoten und Beziehungen. Rechte in der Cloud entstehen selten aus einer Policy allein; sie entstehen aus der Kette von Identität, annehmbarer Rolle, Ressourcen-Policy, Trust-Beziehung und dem, was auf der Ressource liegt. Ein Angriffspfad ist eine Kette erreichbarer Kanten von der Ausgangsposition zu einem kritischen Ziel. Die Begriffe heißen je Provider anders - Rolle, Service Principal, Service Account, Managed Identity -, die Mechanik dahinter ist dieselbe.

KnotenRolle im GraphTypische Beziehungen (Kanten)
Principal (User, Service Identity)Handelnde Identität mit CredentialsMitglied von, darf Rolle annehmen, hat Policy
GroupBündelt Rechte für mehrere PrincipalsEnthält, hat Policy
RoleAnnehmbare Identität mit eigenen Rechten und eigener Trust-PolicyDarf angenommen werden von, hat Policy, wird genutzt von Workload
Policy (identitätsbasiert)Erlaubte und verbotene Aktionen auf RessourcenErlaubt Aktion auf, verbietet Aktion auf
Resource PolicyRegeln, die die Ressource selbst über Zugriffe trifftErlaubt Principal X Zugriff, auch cross-account
Trust PolicyWer eine Rolle annehmen darfVertraut Principal / Account / Dienst / externem IdP
Resource (Storage, Datenbank, Function, Key, Queue)Ziel von Zugriffen - und oft Quelle neuer CredentialsEnthält Secret, wird aufgerufen von, triggert
Workload IdentityRolle, die eine VM, ein Container oder eine Function automatisch trägtErhält temporäre Credentials über Metadata/Identity-Endpunkt
Temporary CredentialsKurzlebige Sitzung einer RolleErbt die Rechte der Rolle für begrenzte Zeit
DelegationIm Namen einer anderen Identität handeln (Role Assumption, Impersonation)Darf handeln als, darf Token ausstellen für
Cross-Account / Cross-Tenant TrustVertrauensbeziehung über Account- oder MandantengrenzenAccount A darf Rolle in Account B annehmen

Der Schwerpunkt liegt auf den Kanten. Eine typische Kette, die in fast jeder Cloud-Umgebung in irgendeiner Form existiert:

// IAM-Graph: eine Kette aus Beziehungen
01
Principal
Eine Standard-Identität mit wenigen direkten Rechten.
02
darf Rolle annehmen
Die Trust-Policy der Rolle vertraut dem Principal - oder dem ganzen Account.
03
Rolle darf Ressource lesen
Zum Beispiel einen Storage-Bucket mit Deployment-Artefakten.
04
Ressource enthält Credential
Eine Konfiguration mit einem langlebigen Key oder einem Datenbankzugang.
05
Credential ermöglicht weitere Rolle
Der Key gehört einer Service Identity mit breiteren Rechten.
✓
Kritisches Ziel
Produktive Datenbank, Key-Service oder Deployment-Recht - belegt, nicht ausgeschöpft.

Jede Kante für sich ist unauffällig: Rollen sollen angenommen werden, Buckets sollen gelesen werden, Konfigurationen enthalten Zugänge. Erst die Verkettung macht aus einer Standard-Identität den Zugriff auf das kritische Ziel. Werkzeuge, die Cloud-Berechtigungsgraphen modellieren, machen solche Ketten sichtbar; welche sich eignen und welche Spuren sie im Audit-Log hinterlassen, ordnet der Tools-Bereich ein. Die Bewertung, welche Kante real nutzbar und im Scope ist, bleibt Operator-Arbeit.

Effektive Berechtigungen

Keine einzelne Policy beantwortet die Frage, was eine Identität wirklich darf. Die effektive Berechtigung ist das Ergebnis mehrerer Ebenen, die sich gegenseitig erweitern, einschränken oder aufheben - und die Fehler liegen fast immer dort, wo zwei Ebenen anders zusammenwirken als gedacht.

EbeneWirkungTypische Falle
Direkte RechtePolicies, die der Identität selbst zugewiesen sindBreite Wildcard-Aktionen "weil es einmal nicht funktioniert hat"
GruppenRechte aller Gruppen, in denen die Identität Mitglied istSammelgruppen, die historisch gewachsen sind
RollenRechte jeder Rolle, die die Identität annehmen darfDie annehmbare Rolle ist mächtiger als die Identität selbst
VererbungRechte aus übergeordneten Ebenen (Organisation, Account, Subscription, Projekt, Ressourcengruppe)Ein Recht auf Hierarchie-Ebene wirkt auf alles darunter, auch auf später angelegte Ressourcen
Resource PoliciesDie Ressource erlaubt Zugriffe unabhängig von der Identitäts-PolicyCross-Account-Freigaben, die niemand mehr kennt
Trust PoliciesWer eine Rolle überhaupt annehmen darfTrust auf einen ganzen Account statt auf einen Principal
Deny-Regeln und LeitplankenExplizite Verbote, Permission Boundaries, organisationsweite RichtlinienWerden als Schutz angenommen, gelten aber nicht für jeden Pfad
Temporäre Rollen / SessionsKurzlebige Credentials mit den Rechten der Rolle, teils mit Session-PolicySitzung lebt länger als erwartet oder lässt sich verketten
Service IdentitiesRechte, die ein Dienst oder eine Workload automatisch trägtRolle wurde für ein Deployment mit Adminrechten angelegt und nie reduziert
Cross-Account-BeziehungenRechte in fremden Accounts über TrustDer Dev-Account darf in Prod "nur lesen" - inklusive Secrets
// Effective-Permissions-Modell

Effektive Berechtigung entsteht aus dem Zusammenspiel aller Grant-, Trust-, Hierarchie-, Condition- und Deny-Ebenen, die für den konkreten Principal, die konkrete Aktion und die konkrete Ressource relevant sind. Welche Ebene Vorrang hat und wie sie kombiniert werden, ist providerabhängig - deshalb wird keine Formel angewendet, sondern ein Evaluationsweg gegangen:

  1. Principal bestimmen
  2. mögliche Rollen und Delegationen bestimmen
  3. relevante Identitätsrechte erfassen
  4. Ressourcen- und Trust-Rechte berücksichtigen
  5. übergeordnete Leitplanken und Denies berücksichtigen
  6. Conditions und Kontext berücksichtigen
  7. effektives Ergebnis auf der Zielressource verifizieren

Provider-spezifische Policy-Syntax ist für die Methodik unerheblich. Entscheidend ist, dass der Operator jede dieser Ebenen kennt, für die relevanten Identitäten nachvollzieht und die Frage "Was darf diese Identity auf dieser Ressource wirklich?" belegt - durch Lesen der Konfiguration, durch Simulation, wo der Provider sie anbietet, oder durch eine minimale Testabfrage.

Enumeration

Enumeration in der Cloud heißt, das Berechtigungs- und Ressourcenmodell zu rekonstruieren, bevor irgendetwas angegriffen wird. Anders als im Netz gibt es keinen Portscan, der die Landkarte liefert; die Landkarte ist die Antwort der Control Plane auf die Frage, was die aktuelle Identität sehen darf. Wie viel eine Standard-Identität lesen darf, ist dabei eine wichtige Beobachtung; zum Finding wird sie erst, wenn die Sichtbarkeit oder Berechtigung über den vorgesehenen Bedarf hinausgeht oder einen relevanten Folgepfad ermöglicht.

EbeneWas erfasst wirdZiel
Eigene IdentitätWer bin ich, welche direkten Rechte, Gruppen, annehmbaren RollenStartknoten im Graph
Accounts / Subscriptions / ProjectsWelche Container existieren, welche Hierarchie, welche Trusts dazwischenReichweite und Grenzen des Scopes
Rollen und PoliciesWelche Rollen existieren, wer sie annehmen darf, was sie erlaubenKanten des Graphen
RessourcenStorage, Datenbanken, Functions, Keys, Queues, ComputeZiele und Credential-Quellen
TrustsCross-Account-Rollen, Resource-Policy-Freigaben, Federation-Einträge, Drittanbieter-IdentitätenÜbergänge über Account-Grenzen
NetzwerkeVPC/VNet, Subnetze, Peering, Endpunkte, RegelnTatsächliche Vertrauensgrenzen
WorkloadsVMs, Container-Dienste, Functions, App Services und ihre IdentitätenÜbergänge Workload → Control Plane
Managed ServicesKonfiguration, Zugriffsmodell, NetzanbindungZiele mit eigenem Zugriffsmodell

Eine große CLI-Befehlssammlung braucht es dafür nicht; jeder Provider bietet dieselben Lesezugriffe über API, CLI und Konsole, und Werkzeuge zur Inventarisierung sind im Tools-Bereich eingeordnet. Wichtig ist das Ergebnis: ein Modell aus Identitäten, Rollen, Ressourcen und Trusts, in dem sich Kanten nachvollziehen lassen. Die systematische Aufklärung des erreichten Umfelds entspricht der Taktik Discovery; in der Cloud ist sie fast vollständig lesend und hinterlässt trotzdem ein klares Muster im Audit-Log.

Storage

Storage ist der Klassiker des Cloud-Pentests - und der Bereich, in dem am häufigsten falsch bewertet wird. "Bucket öffentlich" ist noch kein Finding, sondern eine Beobachtung. Ein öffentlicher Bucket mit den statischen Assets einer Website ist beabsichtigt; ein intern breit lesbarer Bucket mit dem Terraform-State der Produktivumgebung ist ein Angriffspfad, obwohl er nie öffentlich war.

  • Öffentliche Ressourcen: Buckets, Objekte, Shares und Snapshots, die ohne Authentisierung erreichbar sind - prüfen, was dort liegt und ob es dort liegen soll.
  • Falsch gesetzte Zugriffsrechte: Ressourcen-Policies, die "allen authentifizierten Nutzern" oder ganzen Accounts Zugriff geben.
  • Interne Buckets, Objekte, Shares: nicht öffentlich, aber für zu viele interne Identitäten lesbar - der häufigste Fall in realen Umgebungen.
  • Backups und Snapshots: enthalten oft das, was in der Quelle gut geschützt ist, mit schwächeren Rechten.
  • Konfigurationen: Infrastructure-as-Code-Zustände, Deployment-Beschreibungen, Umgebungsdateien.
  • Secrets in Storage: Keys, Tokens, Zertifikate in Objekten, die "nur intern" sind.
  • Schreibrechte als Angriffspfad: Wer ein Skript, ein Image oder ein Deployment-Artefakt verändern darf, das später von einer privilegierten Workload ausgeführt wird, braucht keine Rechte auf der Workload selbst.
  • Hosting- und Deployment-Artefakte: statische Sites, Build-Outputs, Container-Images, Funktions-Pakete - Lese- und Schreibrechte je getrennt bewerten.

Für jede Storage-Ressource werden dieselben vier Fragen gestellt: Was liegt dort? Wer kann zugreifen? Welche Rechte bestehen - lesen, auflisten, schreiben, löschen? Führt die Ressource zu weiteren Credentials oder Systemen? Erst die Antworten ergeben die Bewertung; die Bewertungsmatrix dafür steht im Abschnitt zu Secrets, weil beide Fragen zusammengehören.

Compute und Workloads

Workloads sind im Cloud-Pentest in erster Linie Träger von Identität. Eine virtuelle Maschine wird auf Host-Ebene mit der Netzwerk-Methodik geprüft, eine Anwendung darauf mit der Web- oder API-Methodik. Cloud-spezifisch ist die Frage: Welche Identität verwendet dieser Workload, welche Credentials sind von ihm aus erreichbar, welche Cloud-Ressourcen kann er aufrufen, und welche Rolle spielt er damit in einem Angriffspfad?

Workload-TypIdentitätTypische Credential-QuelleRolle im Pfad
Virtuelle MaschineInstanzrolle / zugewiesene IdentitätMetadata-Endpunkt, Init-Skripte, lokale KonfigurationÜbergang Host → Control Plane
Managed Compute (Instanzgruppen, Autoscaling)Gemeinsame Rolle aller InstanzenLaunch-Konfiguration, User DataEine Rolle für viele Hosts - Reichweite skaliert mit
Functions / ServerlessFunction-RolleUmgebungsvariablen, Identity-Endpunkt der LaufzeitOft überprivilegiert, weil für Cross-Service-Aufrufe angelegt
App Services / PaaSZugewiesene Managed IdentityIdentity-Endpunkt, App-KonfigurationAnwendungsschwäche wird zur Cloud-Schwäche
Container (hier nur als Workload-Kontext)Node- oder Pod-IdentitätMetadata über den Node, gemountete SecretsÜbergang Container → Cloud-Rolle des Nodes
Build-/Deployment-RunnerDeployment-IdentitätPipeline-Variablen, Runner-KonfigurationDeployment-Rechte sind Produktionsrechte

Kubernetes-Interna - RBAC, ServiceAccounts, Pod Security, Namespace-Isolation - werden hier bewusst nicht vertieft; ein Container ist in diesem Artikel nur ein Workload, der eine Cloud-Identität tragen kann. Die Cluster-Ebene ist Gegenstand eines eigenen, später folgenden Deep-Dives.

Metadata Services und Workload Credentials

Der wichtigste cloud-spezifische Übergang ist der vom Workload zur Control Plane. Er läuft über einen provider- und dienstspezifischen Metadata-, Identity- oder Credential-Endpunkt: eine Schnittstelle, die in der Regel workload-lokal ist, also nur aus dem Workload-Kontext erreichbar, und dem Workload seine Identität, seine Konfiguration und meist kurzlebige Credentials für die zugewiesene Rolle liefert. Manche Dienste nutzen dafür einen Metadata Service, andere eigene Identity-Endpunkte oder Credential-Provider der Laufzeit; auch die Schutzmechanismen unterscheiden sich. VM, Container, Function und App Service teilen deshalb nicht zwingend denselben Mechanismus - gemeinsam ist ihnen das Prinzip. Das ist Design und notwendig - Workloads müssen ohne fest eingebaute Secrets mit Cloud-Diensten sprechen können. Die Kernaussage: Eine Workload besitzt oder erhält eine Cloud-Identität; kann ein Angreifer diese Identität aus dem Workload-Kontext missbrauchen, entsteht der Übergang zur Control Plane.

// Workload → Control Plane
01
Workload
VM, Container, Function oder App Service mit zugewiesener Identität.
02
Metadata / Identity Endpoint
Provider- und dienstspezifisch, meist nur aus dem Workload-Kontext erreichbar - oder aus allem, was dort Requests auslösen kann.
03
Temporäre Credentials
Meist kurzlebig, aber mit den vollen Rechten der Workload-Rolle.
04
Cloud API
Von außerhalb des Workloads nutzbar, solange die Sitzung gültig ist.
✓
Neue Ressourcen / Rollen
Alles, was die Workload-Rolle darf - oft mehr, als die Anwendung je gebraucht hätte.
Metadata-Prinzip
# Prinzip eines Metadata-Endpunkts (hier die bei mehreren Providern verbreitete link-lokale Adresse) - Mechanismus und Schutz sind provider- und dienstspezifisch
GET http://169.254.169.254/... -> Identität, Konfiguration, kurzlebige Credentials der Workload-Rolle
# Prüfpunkt: verlangt der Endpunkt einen zusätzlichen Schritt (Session-Token/Header) oder antwortet er auf jeden GET?

Das Beispiel zeigt nur das Prinzip und keine Ausnutzungskette. Der Operator prüft nicht nur, ob ein Endpunkt erreichbar ist, sondern entscheidet entlang mehrerer Fragen: Welcher Endpunkt und welcher Diensttyp ist das überhaupt? Welche Request-Voraussetzungen gelten - Header, Token, Session-Mechanismen? Welche Netzwerk-, Hop- oder Proxy-Schutzmaßnahmen greifen davor? Liefert der Endpunkt überhaupt Credentials oder nur Konfiguration? Welche Identität liefert er, und was darf diese effektiv? Und: Wer kann im Workload Requests auslösen, die der Workload gar nicht stellen wollte?

Diese letzte Frage ist der Übergang aus dem Web-Pentest: Eine serverseitige Anwendung, die URLs von Nutzern abruft - Bildimport, Webhook, PDF-Erzeugung -, kann zum Zugang zum Metadata-Endpunkt werden. Die Mechanik und Verifikation von SSRF gehört in den Web-Pentesting-Artikel; hier ist SSRF nur der Übergabepunkt, an dem aus einer Anwendungsschwäche eine Cloud-Identität wird. Kurzlebige Credentials mindern das Risiko, heben es aber nicht auf: Innerhalb ihrer Gültigkeit tragen sie die vollen Rechte der Rolle, und ein Angreifer, der den Weg einmal kennt, holt sich neue. Wo erbeutete Credentials anschließend verarbeitet werden, berührt die Taktik Credential Access.

Secrets

Secrets liegen in der Cloud an mehr Orten, als die meisten Teams im Blick haben: Umgebungsvariablen von Functions und App Services, Deployment-Konfigurationen, Parameter- und Secret-Stores, Container-Images, Skripte in Storage, CI-Artefakte, Init-Skripte und User Data von Instanzen, Snapshots. Der Pentest sucht sie nicht, um sie zu sammeln, sondern um ihre Reichweite zu bewerten. Ein vorhandenes Secret ist nicht automatisch ein kritischer Fund.

FundGültigkeitRechte / ScopeReichweiteFolgepfadBewertung
Abgelaufener API-Key in altem Skriptungültig-keinekeinerHygiene-Hinweis, kein Finding mit Severity
Gültiger Key mit Lesezugriff auf einen Bucket mit Marketing-Assetsgültig, langlebigengein Bucketkeiner erkennbarNiedrig; Rotation empfehlen
Datenbankpasswort in Umgebungsvariable einer Function, DB nur privat erreichbargültigDB-Loginabhängig von Netzpositionnur aus dem privaten NetzMittel; Pfadglied, wenn eine Netzposition belegt ist
Deployment-Token mit Schreibrecht auf Produktions-ArtefaktegültigDeploymentalle Workloads, die das Artefakt ausführenCode-Ausführung im Kontext privilegierter WorkloadsHoch; Pfadglied mit großer Reichweite
Langlebiger Key einer Admin-Service-Identity in einem Container-Imagegültig, nie rotiertadministrativAccount-weitdirekter Zugriff auf kritische ZieleKritisch
Öffentlich lesbarer Bucket mit Infrastructure-as-Code-State-enthält Secrets und Ressourcen-IDsje nach enthaltenen CredentialsLandkarte plus Zugängemindestens Hoch; Severity folgt dem schwersten enthaltenen Credential

Dieselbe Matrix gilt für Storage-Funde: Nicht die Tatsache, dass etwas lesbar ist, bestimmt die Severity, sondern Gültigkeit, Rechte, Scope, Rotation, Reichweite und Folgepfad dessen, was gelesen werden kann. Der Nachweis bleibt minimal - belegt wird, dass ein Secret erreichbar ist und welche Rechte es trägt, nicht, was sich damit alles anstellen ließe.

Cloud Network Controls

Cloud-Netzwerke stellen dieselbe Frage wie die Segmentierungsprüfung im Netzwerk-Pentest: Erreichbar und wirklich getrennt sind zwei verschiedene Dinge. Die Werkzeuge heißen anders - Security Groups, NSG-ähnliche Regeln, Network ACLs, VPC/VNet, Peering, Private und Public Endpoints, Routing -, aber der Befund entsteht genauso: Quelle, Ziel, Weg, erwartetes Verhalten, tatsächliches Verhalten. Die zentrale Frage lautet: Welche Vertrauensgrenze existiert tatsächlich?

Cloud-KontrolleNetzwerk-ÄquivalentPrüffrage
Security Groups / NSG-ähnliche RegelnHost- oder Segment-FirewallWelche Quellen sind wirklich erlaubt - "0.0.0.0/0 auf Port 22, weil Admin"?
Network ACLsSubnetz-FilterGelten sie überhaupt für den relevanten Weg, oder nur in einer Richtung?
VPC / VNetNetzsegmentIst das Netz die Grenze - oder nur ein Container, in dem alles mit allem spricht?
PeeringStandortkopplungVerbindet das Peering Dev mit Prod, und wer hat das wann warum gemacht?
Private EndpointsInterner Dienst ohne AußenzugangExistiert daneben noch der öffentliche Endpunkt desselben Dienstes?
Public EndpointsExponierter DienstIst die Öffentlichkeit vorgesehen, welche Aktion ist ohne Authentisierung möglich, und ist der Dienst nur über IAM oder zusätzlich über Netz geschützt?
RoutingRouting-TabellenFührt eine Route an der gedachten Grenze vorbei?
Management InterfacesAdmin-NetzKonsole, SSH, RDP, Datenbank-Admin aus dem Internet oder aus dem Nutzer-Segment erreichbar?

Die Prüfung wird als Trust-Matrix festgehalten - das direkte Pendant zur Segmentierungs-Matrix des Netzwerktests:

QuelleZielWegErwartetTatsächlichVertrauensgrenze real?
InternetManaged DatabasePublic EndpointBlockiertOffen, nur IAM/PasswortNein - Netzgrenze fehlt
InternetManagement-UI einer VMSecurity Group Port 443Nur VPNOffenNein
Workload-Subnetz WebSubnetz DatenbankInternNur Port der DBAlle PortsNein - Segment ohne Regel
Dev-VPCProd-VPCPeeringKein PeeringPeering aktiv, Routen gesetztNein
WorkloadSecret-ServicePrivate EndpointNur privatZusätzlich public erreichbarTeilweise
InternetObject StoragePublicPublic (statische Site)PublicJa - beabsichtigt

Ein wichtiger Unterschied zum klassischen Netz: Viele Cloud-Dienste sind über die Control Plane erreichbar, ohne ein einziges Paket durch ein Kundennetz zu schicken. Ein Storage-Bucket oder ein Secret-Service kennt keine Security Group; seine Grenze ist IAM plus die Frage, ob ein öffentlicher Endpunkt existiert. Netzwerkkontrollen und Berechtigungen müssen deshalb zusammen gelesen werden - eine Vertrauensgrenze, die nur auf einer der beiden Ebenen existiert, ist keine.

Managed Services

Managed Services werden im Pentest anders behandelt als klassische Server, weil es keinen Host gibt, den man übernehmen könnte. Es gibt keinen Patchstand, keine Shell, keinen Dienst-Exploit. "Zugriff" bedeutet hier ausschließlich: eine Identität darf über die Control Plane oder den Datenpfad mit dem Dienst sprechen, und das Netz lässt es zu. Der Prüfgegenstand ist damit die Kombination aus IAM, Resource Policy, Netzanbindung, Trust und den Daten dahinter - und die Folgepfade, die der Dienst eröffnet.

DienstWas "Zugriff" bedeutetWorauf es ankommtTypischer Folgepfad
Managed DatabaseDatenpfad (Login) oder Control Plane (Snapshot, Konfiguration)Public Endpoint, IAM-Authentisierung, wer Snapshots exportieren darfSnapshot in eigenen Account kopieren statt die DB anzugreifen
Object StorageLesen, Auflisten, Schreiben, Löschen je Objekt und BucketResource Policy, öffentliche Freigaben, SchreibrechteSecrets lesen, Artefakte manipulieren
Queues / Topics / EventsNachrichten lesen, senden, abonnierenWer darf publizieren, welche Workload konsumiertEingaben an eine privilegierte Function einschleusen
FunctionsAufrufen, Konfiguration lesen, Code aktualisierenRolle der Function, Trigger, Update-RechteCode-Update = Ausführung mit der Function-Identität
Key- und Secret-ServicesSecrets lesen, Keys verwenden, Policies ändernWer darf lesen, wer darf die Policy des Dienstes ändernPolicy-Änderung öffnet alle Secrets
Managed IdentityEine Identität einem Workload zuweisenWer darf Identitäten zuweisen oder deren Rollen ändernZuweisungsrecht ist Rollenübernahme auf Umwegen
API GatewaysRouten, Authorizer, Backend-IntegrationenAuthentisierung am Gateway vs. direkt erreichbares BackendBackend ohne Gateway-Schutz ansprechen - siehe API-Pentesting

Das Muster wiederholt sich: Die gefährlichen Rechte sind selten die Datenrechte, sondern die Konfigurationsrechte - Code aktualisieren, Policy ändern, Identität zuweisen, Snapshot exportieren. Sie wirken wie Datenzugriff, stehen aber in der Policy unter unauffälligeren Namen. Eine Service-Enzyklopädie braucht es nicht; das Prüfschema aus Zugriff, IAM, Netzwerk, Trust, Daten und Folgepfad gilt für jeden Managed Service.

Serverless

Functions verdienen einen eigenen Blick, weil sie das Cloud-Prinzip auf die Spitze treiben: kein Host, dafür eine Identität, ein Trigger und ein Stück Code, das im Namen dieser Identität mit anderen Diensten spricht. Der Pentest betrachtet nicht die einzelne "Function-Misconfiguration", sondern den Pfad, der durch die Function läuft.

  • Function Identity: Welche Rolle trägt die Function, und ist sie auf das beschränkt, was der Code tatsächlich aufruft? Functions sind häufig überprivilegiert, wenn Rollen für erste Integrationen breit vergeben und später nicht verengt werden - und schon eine einzelne Function ruft oft mehrere Managed Services auf.
  • Trigger: Wer darf die Function auslösen - ein öffentlicher HTTP-Endpunkt, eine Queue, ein Storage-Event, ein Zeitplan? Jeder Trigger ist ein Eingangspunkt mit eigener Vertrauensannahme.
  • Input: Was die Function mit ihrem Input tut, ist Web- und API-Methodik. Cloud-spezifisch ist, dass der Input aus einem anderen Dienst stammen kann, dem die Function blind vertraut.
  • Secrets und Rollen: Umgebungsvariablen, eingebundene Secret-Referenzen, annehmbare Rollen.
  • Cross-Service-Aufrufe: Welche Dienste ruft die Function auf, und was darf sie dort über den Zweck hinaus?

Ein typischer Serverless-Pfad: Ein Storage-Event triggert eine Function, die Objekte verarbeitet; wer ein Objekt in diesen Bucket schreiben darf, steuert damit den Input einer Function, die mit einer breiten Rolle läuft. Das Schreibrecht auf den Bucket war für sich genommen harmlos.

Misconfiguration vs. exploitable path

Cloud-Scanner liefern Hunderte Fehlkonfigurationen. Ein Pentest liefert die wenigen davon, die einen Pfad ergeben. Der Unterschied liegt in vier Fragen, die zwischen der Konfiguration und ihrer Bewertung liegen: Ist die Ressource von der relevanten Position aus erreichbar? Welche Position muss ein Angreifer dafür bereits haben? Was ist das effektive Recht - nicht das in der Policy, sondern das nach allen Ebenen? Und welcher Impact folgt daraus?

ConfigurationReachabilityRequired PositionEffective PermissionImpactErgebnis
Breite IAM-Policy mit WildcardsNur über eine Rolle, die MFA und eine interne Quelle verlangtBereits privilegierter AdminGroß, aber für Admins erwartbargering zusätzlichHygiene; kein eigenständiger Pfad
Breite IAM-Policy mit WildcardsRolle ist von jeder Standard-Identität annehmbarBeliebiger NutzerAccount-weithochFinding Hoch, Pfadglied
Öffentlich erreichbarer EndpunktInternetkeineNur mit gültigem Token; Backend saubergeringBeobachtung; prüfen, ob die Öffentlichkeit vorgesehen ist - kein Finding, wenn ja
Öffentlich erreichbarer EndpunktInternetkeineManaged Database mit StandardpasswortDatenzugriffFinding Kritisch, Pfad in einem Schritt
Offener StorageInternetkeineLesen; Inhalt: statische WebsitekeinerKein Finding
Offener StorageInternetkeineLesen; Inhalt: Backups mit CredentialsCredentials mit ReichweiteFinding mindestens Hoch, Pfadeinstieg
Fehlende Netzgrenze zwischen SubnetzenInternWorkload im NachbarsegmentDatenbank-Port erreichbarabhängig von CredentialsFinding Mittel; Pfadglied
Überprivilegierte Workload-IdentityNur aus dem WorkloadKompromittierter Workload oder SSRFAlles, was die Rolle darfje nach RolleFinding Mittel bis Hoch; Pfadglied mit Hebel

Dieselbe Konfiguration erscheint in der Tabelle zweimal mit verschiedenem Ergebnis - das ist der Kern. Für öffentliche Endpunkte und Ressourcen gilt dabei immer dieselbe Reihenfolge: Ist die Öffentlichkeit vorgesehen? Welche Aktion ist ohne Authentisierung möglich? Welche Daten oder Funktionen sind exponiert? Entsteht daraus ein relevanter Pfad? Erst ein Nein auf die erste oder ein Ja auf die letzte Frage macht daraus ein Finding. Nicht die Fehlkonfiguration wird bewertet, sondern der Pfad, den sie von einer konkreten Position aus ermöglicht. Wie aus technischer Schwere, Exposure, Voraussetzungen und Impact eine nachvollziehbare Einstufung wird, vertieft der Deep-Dive Risikobewertung und CVSS; dieser Artikel baut keine eigene Scoring-Methode.

Privilege Paths und Capability Chains

Klassische Privilege Escalation heißt: mehr Rechte auf demselben System. Cloud-Pfade sind breiter. Sie entstehen aus Fähigkeiten, die für sich genommen nichts mit "Rechteausweitung" zu tun haben, in Kombination aber genau das bewirken. Der Operator denkt deshalb in Capability Chains: Welche Fähigkeit habe ich, welche Fähigkeit eröffnet sie, und wo endet die Kette?

MechanismusWas er erlaubtBeispiel-Kette
Role AssumptionIdentität einer Rolle mit anderen Rechten annehmenStandard-Nutzer → Rolle mit Trust auf den ganzen Account → Rechte der Rolle
Policy ModificationEigene oder fremde Rechte verändernRecht, Policies an Rollen zu hängen → eigene Rolle erweitern
Credential AccessCredentials einer anderen Identität lesen oder erzeugenRecht, Access Keys für Nutzer anzulegen → Identität eines Admins
Resource ModificationCode oder Konfiguration verändern, die eine privilegierte Identität ausführtSchreibrecht auf Function-Code → Ausführung mit der Function-Rolle
Service IdentityWorkload starten oder verändern, der eine Rolle trägtRecht, eine VM mit beliebiger Instanzrolle zu starten → Metadata → Rolle
Deployment-RechteInfrastruktur oder Anwendungen ausrollenPipeline-Zugang → Deployment in Produktion mit der Deployment-Identität
Secret AccessSecrets aus Stores, Storage oder Konfiguration lesenLeserecht auf Parameter Store → Datenbankzugang → Daten
Cross-Service TrustEin Dienst darf im Namen eines anderen handelnFunction darf Queue lesen → Queue triggert privilegierte Verarbeitung

Keiner dieser Mechanismen ist ein Fehler; alle sind legitime Cloud-Funktionen. Zum Pfad werden sie, wenn eine Identität eine Fähigkeit besitzt, die sie für ihren Zweck nicht braucht, und diese Fähigkeit eine mächtigere eröffnet. Die Domänen-Form dieser Logik beschreibt der AD-Artikel unter Privilege Mapping; die allgemeine Taktik liegt in der Payload-Sammlung unter Privilege Escalation.

Cross-Service Attack Path

Alles bisher Beschriebene läuft in einem Pfad zusammen, der mehrere Dienste und mehrere Vertrauensannahmen durchquert. Das folgende Beispiel ist ein vereinfachtes, providerneutrales Szenario - fiktiv, aber in dieser Form typisch. Welche Bedingungen den Abruf von Workload-Credentials ermöglichen, ist provider- und konfigurationsabhängig; nicht jede SSRF gegen einen Metadata-Endpunkt liefert Credentials.

// Cross-Service Attack Path AP-C1 (vereinfachtes Beispielszenario)
01
Öffentliche Anwendung mit Bildimport per URL
F-C1 · Mittel  Die Anwendung ruft nutzergesteuerte URLs serverseitig ab (SSRF).
02
Metadata-/Identity-Endpunkt unter abrufbaren Bedingungen
F-C2 · Mittel  Der serverseitig steuerbare Request erreicht den Endpunkt unter Bedingungen, die den Abruf der Workload-Identität bzw. ihrer Credentials ermöglichen.
03
Workload-Rolle darf Deployment-Bucket lesen
F-C3 · Mittel  Im Bucket liegt eine Deployment-Konfiguration mit dem Namen einer weiteren Rolle und einem Datenbankzugang.
04
Trust-Policy der Deployment-Rolle vertraut dem ganzen Account
F-C4 · Hoch  Jede Identität im Account - auch die Workload-Rolle - darf sie annehmen.
05
Deployment-Rolle darf Datenbank-Snapshots exportieren
F-C5 · Mittel  Ein Recht, das für Deployments nie gebraucht wurde.
✓
Managed Database mit Kundendaten
Pfadrisiko AP-C1: Kritisch  Zugriff belegt über die Snapshot-Berechtigung, ohne einen Export auszuführen.

Jedes Glied bekommt seine eigene Finding-Severity, und keines davon ist für sich "Kritisch": Eine SSRF ohne internen Impact, ein unter bestimmten Bedingungen abrufbarer Metadata-Endpunkt, ein Leserecht auf einen internen Bucket, ein zu breiter Trust, ein unnötiges Export-Recht. Das Pfadrisiko entsteht aus der Verkettung und wird separat ausgewiesen - genauso, wie es der Deep-Dive zu Pentest Reporting für Angriffspfade vorsieht und die Risikobewertung als Pfadrisiko von der Finding-Severity trennt. Die Einzel-Findings werden nicht künstlich hochgestuft, damit der Pfad "passt"; umgekehrt wird der Pfad nicht heruntergestuft, nur weil seine Glieder einzeln mittel sind.

GliedFindingSeverityWarum nicht höherWas der Pfad daraus macht
01F-C1 SSRF im BildimportMittelAllein nur interner Request, kein DatenzugriffZugang zum Metadata-Endpunkt
02F-C2 Metadata-/Identity-Endpunkt unter abrufbaren BedingungenMittelNur aus dem Workload erreichbarWorkload-Rolle von außen nutzbar
03F-C3 Workload-Rolle liest Deployment-BucketMittelLeserecht, kein Schreibrecht, interner BucketLiefert Rollenname und DB-Zugang
04F-C4 Trust auf ganzen AccountHochBenötigt bereits eine Identität im AccountRollenwechsel ohne weitere Hürde
05F-C5 Unnötiges Snapshot-Export-RechtMittelNur mit der Deployment-Rolle nutzbarDatenzugriff ohne Netzposition zur Datenbank

Auffällig ist, dass der Pfad die Datenbank nie über das Netz berührt. Er läuft vollständig über die Control Plane - und genau das unterscheidet einen Cloud-Angriffspfad von einem internen Netzwerkpfad. Jede Segmentierung um die Datenbank herum wäre korrekt gewesen und hätte nichts verhindert.

Cross-Account und Cross-Tenant Trust

Account- und Mandantengrenzen gelten als Sicherheitsgrenzen, und sie sind es auch - solange niemand sie bewusst geöffnet hat. In realen Umgebungen sind sie fast immer geöffnet: für Partner, Dienstleister, SaaS-Werkzeuge, Organisationsverwaltung und Föderation. Der Pentest fragt nicht, ob Trusts existieren, sondern was sie tatsächlich erlauben und ob die Gegenseite diesen Vertrauensvorschuss verdient.

BeziehungWas sie bedeutetPrüffrage
Externe Accounts (Partner, Dienstleister, eigene Dev-/Test-Accounts)Ein fremder Account darf Rollen annehmen oder Ressourcen nutzenWelche Rolle, mit welchen Rechten, mit welchen Bedingungen - und ist der fremde Account so gut geschützt wie der eigene?
Dienstidentitäten von SaaS-Anbietern (Monitoring, Backup, Security-Scanner, Kostenoptimierung)Ein Drittanbieter besitzt eine Rolle im Account, oft mit breitem LesezugriffLesezugriff auf Secrets und Snapshots ist kein "nur lesen"; Kompromittierung des Anbieters trifft alle seine Kunden
Role Assumption über Accounts hinwegTrust-Policy nennt Principals eines anderen AccountsNennt sie einen Principal oder den ganzen Account? Gibt es eine zusätzliche Bedingung gegen verwechselte Stellvertreter?
Organisationsverwaltung (Management-Account, delegierte Verwaltung)Ein Account darf andere verwalten oder in sie hineinwirkenWer hat Zugriff auf den verwaltenden Account - er ist das eigentliche Kronjuwel
Cross-Tenant-ZugriffeDelegierte Verwaltung oder Gastidentitäten über MandantengrenzenWelche Rechte, auf welche Ressourcen, befristet oder dauerhaft
FederationEin externer Identity Provider darf Identitäten für den Account ausstellenHier nur: Welche Rolle erhält eine föderierte Identität, und wie breit ist die Zuordnung?

Federation ist dabei bewusst nur als Eintrittspunkt in den Cloud-IAM-Graphen behandelt: Welche Cloud-Rolle eine föderierte Identität bekommt, ist Cloud-Pentesting. Ob der Identity Provider selbst, seine Protokolle, SSO, MFA oder Conditional Access sauber arbeiten, ist eine eigene Zielklasse und wird in einem späteren Deep-Dive zum Identity Pentesting vertieft.

Cloud, Netzwerk, Active Directory und Identity

Vier Zielklassen, die sich berühren, aber unterschiedliche Fragen beantworten. Die Grenze sauber zu ziehen verhindert, dass ein Cloud-Pentest zum Netzwerktest mit anderen Begriffen wird oder sich in Identity-Tiefe verliert, die ihm nicht gehört.

FrageNetzwerkActive DirectoryCloudIdentity (eigene Zielklasse, folgt)
PrüfgegenstandHosts, Dienste, SegmenteDomäne und ihre ObjekteControl Plane, Ressourcen, Workload-IdentitätenIdentity Provider, SSO, Föderation, MFA
VertrauensankerNetzgrenzeDomain Controller / KerberosCloud-IAM und Resource PoliciesIdP und Protokolle (OAuth/OIDC, SAML)
GraphErreichbarkeits-MatrixPrincipals, Gruppen, ACLs, Sessions, TrustsPrincipals, Rollen, Policies, Trusts, Ressourcen, WorkloadsIdentitäten, Tokens, Assertions, Zuordnungen
Typischer PfadShare → Credential → weiterer HostACL-Kante → Service-Konto → privilegierter PrincipalWorkload → Metadata → Rolle → Secret → Managed ServiceFehlerhafte Validierung → fremde Identität
NachweisVerbindung belegtKante aus ACL belegt, reversibel verifiziertEffektives Recht belegt, minimale ObjektabfrageAusstellung oder Validierung belegt
Übergabe an CloudWorkload erreicht → Workload-IdentitätHybrid-Identität → Cloud-Rolle (nur Eintritt)-Föderierte Identität → Cloud-Rolle

Zwei Grenzen gelten zusätzlich. Cloud Identity vs. Identity Pentesting: Dieser Artikel prüft Cloud-IAM-Rollen, Cloud-Ressourcenrechte, Workload-Identitäten, Resource Policies und Cloud-Trust-Beziehungen. Identity Provider, SSO, OAuth/OIDC, SAML, MFA, Federation, Conditional Access und Entra als Identity-Plattform werden hier nur als Eintrittspunkt berührt und später in einem eigenen Deep-Dive behandelt. Cloud vs. Kubernetes: Managed Kubernetes ist in diesem Artikel eine Cloud-Ressource mit Node- und Workload-Rollen, Cloud-IAM-Anbindung und einer Metadata-/Workload-Identity-Schnittstelle. Kubernetes RBAC, ServiceAccounts, Pod Security, Admission, Namespace-Isolation und Cluster-Privilege-Escalation folgen in einem eigenen Deep-Dive.

Minimaler Nachweis

Im Cloud-Pentest ist der minimale Nachweis nicht nur Professionalität, sondern Betriebsschutz. Eine vollständige Ausnutzung kann produktive Dienste stören, Daten verändern, dauerhafte Spuren im Berechtigungsmodell hinterlassen und Kosten verursachen - und sie bringt keinen zusätzlichen Erkenntniswert, sobald das effektive Recht belegt ist.

  • Keine großen Datenmengen herunterladen - ein einzelnes, unkritisches Objekt belegt den Zugriff.
  • Keine produktiven Ressourcen löschen oder stoppen.
  • Keine produktiven Rollen oder Policies dauerhaft ändern.
  • Keine neuen langlebigen Credentials erzeugen, wenn der Nachweis anders möglich ist; wenn doch, dokumentiert und sofort widerrufen.
  • Keine Ressourcen erzeugen, die Kosten verursachen, ohne ausdrückliche Freigabe.
  • Keine produktiven Workloads stören - kein Neustart, kein Code-Update, keine Konfigurationsänderung an laufenden Diensten.

Der Beweis läuft stattdessen über die effektiven Rechte (Policy-Auswertung, Simulation, wo der Provider sie anbietet), eine minimale Objektabfrage, eine vom Auftraggeber bereitgestellte Testressource, ein kontrolliertes Read oder Write auf genau diese Testressource oder eine temporäre, dokumentierte und sofort rückgängig gemachte Änderung. Was davon erlaubt ist und welche Ressourcen dafür vorgesehen sind, steht in den Rules of Engagement; ohne diese Festlegung bleibt der Nachweis lesend.

// Merksatz

Ein belegtes effektives Recht ist der Befund. Die Ausnutzung ist nur dann nötig, wenn das Recht anders nicht belastbar nachweisbar ist - und dann so klein wie möglich.

Operator-Entscheidungsmatrix

Dieselbe Beobachtung führt je nach Umgebung zu einer anderen richtigen Entscheidung. Die Matrix macht die wiederkehrenden Schritte explizit: Beobachtung, Hypothese, minimale Verifikation, Stop Condition, Evidenz.

ObservationHypothesisMinimal VerificationStop ConditionEvidence
Überbreite Rolle, von Standard-Identität annehmbarJeder Nutzer erreicht Account-weite RechteRolle annehmen, eigene Identität abfragen, eine unkritische Ressource lesenSobald die Annahme und ein Lesezugriff belegt sindTrust-Policy, Policy-Auszug, Identitätsabfrage mit Zeitstempel
Storage mit breitem internen LesezugriffInhalt enthält Credentials oder LandkarteObjektliste lesen, ein einzelnes verdächtiges Objekt lesenSobald ein Credential oder eine Konfiguration belegt ist - nicht weiter durchsuchenBucket-Policy, Objektliste, Auszug mit redigiertem Secret
Metadata-Endpunkt aus einer SSRF erreichbarWorkload-Rolle von außen nutzbarIdentitätsabfrage über die erhaltenen Credentials, keine weitere AktionSobald die Rolle und ihre effektiven Rechte belegt sindRequest/Response der SSRF (redigiert), Identitätsabfrage, Policy der Rolle
Cross-Account-Trust auf einen fremden AccountFremder Account ist Pfad in ProduktionTrust-Policy und Rechte der Rolle lesen; Annahme nur, wenn der fremde Account im Scope liegtLiegt der fremde Account nicht im Scope: anhalten, dokumentierenTrust-Policy, Rollenrechte, Scope-Entscheidung
Serverless-Function mit breiter Rolle und öffentlichem TriggerTrigger-Input steuert privilegierte Cross-Service-AufrufeKonfiguration und Rolle lesen; Trigger nur mit harmlosem Testinput, wenn RoE es deckenKein Code-Update, kein produktiver Aufruf mit SeiteneffektFunction-Konfiguration, Rollen-Policy, Trigger-Definition

Die Leitlinie ist dieselbe wie im Netzwerk- und AD-Test: so viel Nachweis wie nötig, so wenig Eingriff wie möglich. In der Cloud kommt hinzu, dass fast jede Aktion im Audit-Log des Auftraggebers landet - das ist gut für die Evidenz und erfordert, dass der Operator seine Aktionen zeitlich protokolliert, damit sie sich später zuordnen lassen.

Nachweis und Reporting

Die Berichtsstruktur, das Finding-Template und die Darstellung von Angriffspfaden vertieft der Deep-Dive zu Pentest Reporting; hier geht es nur um das, was ein Cloud-Finding zusätzlich dokumentieren muss, damit es reproduzierbar und zuordenbar ist.

FeldInhaltWarum
Account / Subscription / ProjectEindeutige Kennung des ContainersDieselbe Ressource kann in mehreren Accounts existieren
RegionWenn der Dienst regional istPolicies und Endpunkte unterscheiden sich je Region
PrincipalIdentität, mit der der Befund erhoben wurdeEffektive Rechte hängen am Principal
RolleAngenommene Rolle, wenn abweichendTrennt Ausgangsidentität und genutzte Rechte
RessourceEindeutige RessourcenkennungReproduzierbarkeit
TrustBeteiligte Trust-Policy oder Resource-Policy-FreigabeMacht die Kante sichtbar, nicht nur den Knoten
Effektive BerechtigungWas die Identität auf der Ressource wirklich durfteDer eigentliche Befund
AusgangspositionVon welcher der fünf Ausgangslagen ausBestimmt Exposure und Voraussetzungen
EvidenzPolicy-Auszüge, Identitätsabfragen, redigierte Requests, ZeitstempelZuordnung im Audit-Log, Nachvollziehbarkeit
Attack-Path-BezugGlied in welchem Pfad, mit welcher Rolle im PfadTrennt Finding-Severity vom Pfadrisiko

Secrets, Tokens und Account-Kennungen Dritter werden im Bericht redigiert; Zeitstempel bleiben vollständig, weil sie die Brücke zum Audit-Log des Auftraggebers sind.

Risikobewertung

Für Cloud-Findings gilt die Bewertungsmethodik aus dem Deep-Dive Risikobewertung und CVSS unverändert; eine eigene Scoring-Methode braucht die Cloud nicht. Besonders stark wirken hier die Unterscheidung zwischen technischer Misconfiguration und effektivem Risiko, die Exposure (Internet, Account-intern, nur aus dem Workload), die Voraussetzungen (welche Position, welche Rolle), der Pfadbezug und der Business Impact des erreichten Ziels. Eine Wildcard-Policy auf einer Rolle, die niemand annehmen kann, ist technisch dieselbe Konfiguration wie auf einer Rolle, die jeder annehmen darf - und ein völlig anderes Risiko.

Remediation

Die Behebung folgt der Ursache, nicht dem Symptom: Least Privilege auf Identitäts- und Rollenebene, Trusts auf konkrete Principals und Bedingungen verengen, Secrets rotieren und aus Code, Images und Storage entfernen, Exposure reduzieren, wo Öffentlichkeit nicht vorgesehen ist, Netzwerkgrenzen dort setzen, wo IAM allein die Grenze ist, Workload-Identitäten auf den tatsächlichen Bedarf beschneiden und Metadata-Endpunkte härten. Wie Maßnahmen nach Pfadwirkung priorisiert, kompensierende Kontrollen von echter Behebung getrennt und Befunde im Retest verifiziert werden, beschreibt der Deep-Dive Remediation und Retest.

Logging und Deconfliction

Cloud-Audit-Logs sind im Pentest zweierlei: Evidenz und Deconfliction-Grundlage. Fast jede Control-Plane-Aktion - Rolle annehmen, Objekt lesen, Policy abfragen - wird protokolliert. Das erlaubt dem Auftraggeber, jede Testaktion nachzuvollziehen, und verpflichtet den Operator, seine Aktionen mit Zeit, Quelle und Identität so zu protokollieren, dass ein SOC sie von einem echten Angreifer unterscheiden kann. Vor dem Test wird geklärt, ob der Verteidiger eingeweiht ist und wie der Abgleich läuft; der Ablauf dafür steht im Scope-Artikel.

// Detection-Bezug

Enumeration über die Control Plane, Rollenwechsel, Metadata-Zugriffe aus ungewöhnlichen Prozessen und Cross-Account-Annahmen hinterlassen klare Telemetrie im Audit-Log. Welche Spuren das sind, wie man sie erkennt und wie Detection in der Cloud aufgebaut wird, vertieft das Schwesterportal blue-team.net. Detection Rules und Alert-Tuning gehören nicht in diesen Artikel.

Typische Fehler

  • Cloud wie ein Netz testen: Portscans gegen Cloud-IPs und Host-Härtung prüfen, aber den IAM-Graphen nie anschauen - die Control Plane bleibt ungeprüft.
  • Scanner-Output als Pentest: Hunderte Misconfigurations abliefern, ohne eine einzige in einen Pfad zu übersetzen.
  • Policies einzeln lesen: Eine Policy als harmlos bewerten, ohne Rollen, Vererbung, Resource Policies und Trusts einzurechnen.
  • "Bucket öffentlich" als Finding: Ohne zu prüfen, was drin liegt und wohin es führt.
  • Metadata-Endpunkt ignorieren: Eine SSRF als Web-Finding abschließen, ohne den Übergang in die Cloud-Identität zu prüfen.
  • Kurzlebige Credentials unterschätzen: "Läuft eh in einer Stunde ab" - innerhalb dieser Stunde mit vollen Rechten.
  • Trusts als gegeben hinnehmen: Cross-Account- und Drittanbieter-Rollen nicht auf ihre tatsächliche Reichweite prüfen.
  • Managed Services wie Hosts behandeln: Nach Exploits suchen, wo die einzige Angriffsfläche IAM, Netz und Konfiguration ist.
  • Zu viel beweisen: Daten exportieren, Rollen ändern, Ressourcen anlegen - Betriebsrisiko und Kosten ohne Erkenntnisgewinn.
  • Scope über IPs definieren: Cloud-Ressourcen wechseln Adressen; der Scope gehört über Accounts, Projekte und Tags festgelegt.
  • Identity- und Kubernetes-Tiefe vermischen: IdP-Protokolle oder Cluster-RBAC in den Cloud-Test ziehen, statt sie als eigene Zielklassen sauber zu übergeben.

Häufige Fragen

Ist Cloud Pentesting dasselbe wie ein Cloud Security Assessment?

Nein. Ein Assessment prüft Konfigurationen gegen Best Practices und Standards und liefert eine Liste von Abweichungen. Ein Cloud-Pentest prüft, welche dieser Abweichungen von einer konkreten Ausgangsposition aus zu einem belegten Angriffspfad führen - und bewertet den Pfad, nicht die Liste.

Brauche ich Cloud-Credentials für den Test?

Für einen aussagekräftigen Test fast immer. Von außen sind nur exponierte Ränder sichtbar; das Berechtigungsmodell, in dem die eigentlichen Schwächen liegen, ist erst mit einer Identität lesbar. Üblich ist eine Standard-Identität oder eine Assumed-Breach-Position, ergänzt um eine externe Sicht auf die öffentlichen Übergänge.

Sollte ich AWS, Azure und GCP getrennt testen?

Die Methodik ist providerübergreifend: IAM-Graph, effektive Rechte, Metadata, Storage, Trust und Netzgrenzen gibt es überall, nur unter anderen Namen. Provider-spezifisch sind Policy-Syntax, Dienstnamen und einzelne Eigenheiten - die gehören in spätere Vertiefungen, nicht in die Grundmethodik.

Warum ist der Metadata-Endpunkt so wichtig?

Weil er der Punkt ist, an dem eine Anwendungs- oder Host-Schwäche zu einer Cloud-Identität wird. Eine SSRF, die keine Workload-Identität erreicht, ist ein Web-Finding; eine, die unter den gegebenen Bedingungen Workload-Credentials liefert, ist der Einstieg in die Control Plane. Welche Voraussetzungen der Endpunkt verlangt und was die gelieferte Rolle darf, entscheidet über den Unterschied zwischen "mittel" und "Pfad zum kritischen Ziel".

NH
Norbert Hofmann
Cyber Defense Analyst · CDRC